 Perfekt gebaut und am Ende jeder Folge ein Cliffhänger, der einem keine Chance lässt: nur Weitergucken kann beruhigen, was zu langen, langen DVD Nächten führt. HEROES heißt die grandiose Serie, die in den USA nun mit der zweiten Staffel gelaufen ist. Die Story klingt erstmal doof: Ganz normale Leute auf der ganzen Welt (naja bis auf den Japaner Hiro alle in Amerika..) entdecken eines Tages an sich Superkräfte. Aber dann wird's sympathisch: Sie streifen sich kein Cape über und beginnen die Welt zu retten, sondern sie schämen sich, verheimlichen ihre Fähigkeit, wollen ein ganz normales Leben und keine Freaks sein. Der eine oder andere spielt mit seinen Fähigkeiten (zockt im Casino, nimmt Bankautomaten aus, manipuliert die Ehefrau), wieder andere sind überfordert oder zweifeln, stürtzen in Krisen, weil sie die Rolle, die ihnen die Natur da plötzlich gegeben hat, nicht ausfüllen können oder wollen.
Da sind die Brüder Petrelli, der eine ein smarter Politiker und Karrierist (der fliegen kann, es aber nicht tut), sein Bruder Peter, das gute Herz der Serie, der sich die Eigenschaften anderer Helden aneignen kann wie ein Chamäleon und die Welt gern retten würde, aber ein Hamletartiger Zögerer und Zweifler ist. Dann ein Polizist der Gedanken lesen kann, ein Comiczeichner, der die Zukunft malen kann, eine Cheerleaderin, die nicht sterben kann, weil ihr Körper sich nach den krassesten Verletzungen wieder spontan regeneriert, eine junge Frau, die das Böse und Gute als eine Person in sich trägt und schlimme Dinge tun kann, von der ihre andere Persönlichkeit dann nichts weiß, ein Mann, der Energie erzeugen kann aber auch eine Atombombe in seinem Körper trägt, die er als Choleriker manchmal nicht unter Kontrolle hat. Sehr nett und witzig der Japaner Hiro, der das Raum-Zeit Kontinuum überwinden kann, die Zeit anhalten oder durch sie reisen kann der mit seinem Sancho Pansa Freund immer Held sein wollte und allmählich lernt wie schwierig und traurig das sein kann. Sie alle wissen zunächst nichts von den anderen, Folge für Folge kommen neue Helden hinzu, die auf geheimnisvolle Weise alle verbunden sind, die verfolgt werden von einer "Firma" deren Absichten, gut oder böse, lange im Dunkeln bleiben. Die Helden werden aber auch verfolgt von Sylar, dem Bösen der Serie, der den Helden die Schädel aufsägt und dann ihre Fähigkeit übernimmt.
Das alles ist schnell und aufwändig gefilmt, aber nicht Matrix-schnell, sondern immer angemessen und nie werden die Figuren und Dialoge zugunsten von Action geopfert. Das macht diese Serie so stark. Es ist eine Ensemble Serie ähnlich wie "Lost", Helden sterben, neue kommen dazu, es gibt Rückblicke und Reisen in die Zukunft, die es dann unbedingt zu verhindern gilt. Im Laufe der Folgen finden die Helden zueinander, aber auch jeder für sich zu seinen Fähigkeiten, zu der Rolle in dem Großen und Ganzen. Unglaublich kompakt und präzise ist diese Serie, die Figuren glaubwüdig (was angesichts ihrer Fähigkeiten das Schwierigste sein dürfte) und tolle Dialoge. Grandiose Serie, kann es kaum erwarten, dass Season 2 kommt.
 Letzter Tag des deutsch französischen Theaterfestivals "Perspectives" in Saarbrücken. In der "Sparte 4". zeigt der Berliner Volker Gerling seine charmante Performance/Vortrag "Bilder lernen laufen". Der ehemalige Filmstudent hat seine Nische genau zwischen Fotografie und Film gefunden. Man konnte ihn in den letzten Jahren abends in Berliner Kneipen treffen, wo er mit seinem Bauchladen voller Daumenkinos seine "Wanderausstellung" zeigte. Und dann hat er den Begriff "Wanderausstellung" ernst genommen und ist auf Wanderschaft gegangen: Von Berlin nach Basel und anschließend noch einige Mal durch Deutschland. Ohne Geld - die Kunst soll ihn nähren!! Unterwegs trifft er Leute, zeigt sein Daumenkino und findet Menschen für neue Daumenkinos und bringt die Kunst zu Leuten, die mit Kunst sonst nix am Hut haben.
Ein Film, 36 Aufnahmen, 3 Bilder pro Sekunde, fertig das Kleinkino. Die Fotos sind Schwarz-Weiß und jedes einzelne eine gelungene Portraitaufnahme. Zusammen sind sie ein Film, bei dem Gerling wie er sagt nach dem "ehrlichen Moment" im Gesicht seines Modells sucht, dem Gesicht hinter den Fotoposen. Denn Gerling sagt seinen Modellen nie, dass er eine Serie schießt, sondern fragt nur, ob er sie fotografieren darf. Wenn dann die Kamera immer weiter knattert, 36 Bilder lang, verändern sich die Gesichter, lachen oder sind irritiert und verlieren meist irgendwann die Herrschaft über ihre Foto-Pose (vielleicht das Gesicht der Person, das sie gern darstellen würden) zugunsten eines Augenblicks, in dem sie sich wirklich zeigen (das, was hinter der Pose/Maske verborgen ist). Gerling erzählt kurze Geschichten zu seinen Motiven und den Begegnungen, die einem diesen fremden Menschen in seinen Daumenkinos wirklich nahe bringen und führt die Kinos dann übertragen auf eine Leinwand vor. Den Künstler Gerling würde ich als schüchternen Menschen bezeichnen, dem das anmaßende Getue so vieler Berliner Künstlerkollegen fremd sein dürfte, der sich überwinden muss all die Leute anzusprechen und sich ihnen mit seinem Projekt aufzudrängen, der aber dadurch ganz andere Leute und damit Gesichter "sammeln" kann als der forsche, zackige Fotograf, der bellend Befehle erteilt und künstlich lächelt, damit seine Modelle lächeln. Und ganz allein wochenlang ohne Geld durchs Land zu wandern um Kunst zu zeigen und zu machen, das erfordert viel mehr als Mut: es braucht den unbedingten Glauben an die Menschen und das Gute in ihnen. Wer kann schon sagen, dass er das noch hätte...
 Parallelschaltung - Karfreitag - nach dem Hader Josef im Admiralspalast, der mich nicht so richtig packen konnte mit seinem Programm über Tod und Unglück und morbide Österreicher am Rande des Nervenzusammenbruchs, schalte ich um Mitternacht die Glotze an. Und dann immer hin und her: Zwischen „Passion Christi“ von Gibson und „Die Hard“. Und schon bald fließen Helden und Metaphern, Hochhaus und Tempelberg, Erdulden und Verteidigen, Reden und Schießen ineinander….
Die Fakten: Zwei Filme, darin ein Mann gegen den Rest der Welt. Er will gutes tun und blutet bald überall. Der eine mit milden Worten und Segnungsgesten unterwegs, der andere mit UZI, Ak47, Colt, Revolver und allem was knallt. Beide wollen die Welt ein bisschen besser machen. Hakennasige Männer mit Bärten sind in beiden Filmen die Bösen, Karikaturen mit nur einem Zweck: den Mut und die Kraft und die Schönheit der beiden Helden zu kontrastieren: einmal der deutsche Bösewicht Hans Gruber und in Jerusalem die machtversessenen Tempelpriester. Der dann folgende Kreuzzug im wahrsten Sinne des Wortes führt bei John McClane zu Leiden und (Nah)Tod - in beiden Fällen mit späterer Auferstehung: die sie Liebenden können sie in die Arme schließen, die Welt ist eine andere. Und hernach vollbringen beide Helden noch einige Wunderwerke: so das Pfingstwunder und eine Himmelfahrt sowie die Filme Die Hard 2 und 3 und sogar 4, in dem John McClane schließlich auf dem Flügel einer F16 mitfliegt und der eigenen Himmelfahrt nur knapp entgeht.
Die reine Körperlichkeit, die Reduzierung auf das Leiden und Sterben von Jesus` Leib wurde Mel Gibsons Film vorgeworfen - neben dem wie ich finde übertriebenen Vorwurf des Antisemitismus - wenn man auch die Tempelpriester im Film direkt aus Jud Süß entnommen scheinen und good old Jesus der sanfmütige, babybehäutete, Hübschling ist. Aber auch alle anderen Sympathieträger, inklusive von J.C. sind im Film Juden und sehen nicht aus wie Stürmer Karikaturen, allerdings wirken alle, die nicht „an dem Jesus seine Sache“ glauben wollen, als von vornherein erledigt - genau wie all die bösen Buben in Die Hard - Stirb Langsam, deren baldiges Ende man kaum erwarten kann und kommen sieht.
Das physische Leiden, das den Großteil von „Passion“ ausmacht, bis dem Gibson Jesus die Fleischfetzen vom Körper lappen, das Gesicht verquollen und blutig ist und der arme Tropf am Kreuz hängt und seine leibliche Hülle verlässt, nur um mit Löchern in den Händen bald wieder zu wandeln, so ist es bei Die Hard - Stirb langsam die gleiche Geschichte eines Geschundenen, der allerdings nicht Führer einer Sekte sein will oder sich als der Sohn eines Höheren bezeichnete, dessen Leib im einsamen Kampf mit der Welt aber ebenfalls geschunden und gemartert wird, um am Ende zu triumphieren.
John McClane - und hier endet die Parallelität mit Jesus - wehrt sich mit allen Mitteln der modernen Waffentechnik. Kein sich Ergeben in das „gottgewollte“ Schicksal und die Verdorbenheit der ganzen Welt schultern und mitnehmen in den Tod, sondern McClane ist ein Macher, ein modernen Strampler und Wüterich, der sich durchkämpft, wo andere aufgeben, der weitermacht bis alle erledigt sind, der in Unterhemd und barfuß einer Armee von Feinden strotzt, gegenüber der Jesus im Tempel zu Jerusalem lediglich im zerrissenen Hemdchen steht und sagt: „Wahrlich, ich bin es“ (der Messias). Wenn auch die Methoden verschieden sind, so ist das Ergebnis des Wirkens dieser beiden Helden wieder vergleichbar: Jesus rettet alle, die an ihn glauben und die es nicht tun, werden ewig in der Hölle schmoren. Wer an McClane glaubt, der überlebt auch (jedenfalls den Film lang), wer es nicht tut wird stantepede in die ewigen Jagdgründe befördert, vermutlich auch für immer, wo er dann neben Gruber und den bösenbösen Unglaubigen im Höllentopf schmort. Nur tot? - das wäre zu einfach.
Die Schlussszenen in beiden Filmen ist geradezu legendär: In Die Hard, der nackige McClane, lacht mit den beiden Oberbösen, die seine Freundin den Fängen haben und zieht dann eine auf den Rücken geklebte Wumme: Ende der lachenden Bösen durch Loch im Kopf. Bei Passion: Jesus Grab ist leer, sein Körper wiederhergerichtet (bis auf die Löcher in den Händen, durch die das Licht scheint) marschiert er davon. Und irgendwie ahnt man es schon da: Jesus und John werden zurückkommen - to kick some ass…..
 Nachdem ich mich nunmehr duch die 9. und für mich definitv letzte Staffel von ER geschaut habe - Dr. Green stirbt und damit für mich auch der Grund ER noch weiter zu schauen - brauchte ich ein neues Projekt. Letztes Jahr sah ich zufällig zwei Folgen einer kanadischen Serie, die einen sofort packt: ReGenesis. Grob gesagt geht es um ein Bio-Forschungslabor in Toronto und seinen Chef David Sandström (Peter Outerbridge), der mit seinem Team in Fälle von Bioterrorismus, 12Monkeys mässige Verschwörungen und Miniapokalypsen vewickelt wird. Eine Mischung aus CSI und Science Fiction, in einer unbestimmten näheren Zukunft. Dazu eine ansprechende Filmästhetik mit Jumpcuts, Splitscreen und düsteren Bildern, die an "Sieben" oder eben die Welt kurz vor der Katastrophe erinnern: Irgendwie normal, aber spürbar auf der Kippe, Figuren die in einem NOCH leben, ohne es zu wissen, denen die selbsteschaffenen Monsterviren über den Kopf wachsen, die ihre persönlichen Probleme so ernst nehmen, wie man muss, aber eben durch die Arbeit und Monströsität der Krankheiten immer wieder an die Vergänglichkeit all dessen, an die dünne Schicht Sicherheit und Zufriedenheit, mit der man so lebt, erinnert werden.
In Kanada läuft gerade die 3. Staffel. arte zeigt diese gute Serie leider nicht mehr. arte und Serie, das hat wohl nicht so richtig gepasst. Warum Sandström am Anfang der ersten Folge alle Leute anruft, die er kennt und ihnen ihre Liebe versichert, wie einer, der der dem Tod geweiht ist, warum er vollkommen aufgelöst ist, eine Stimmung, in der man ihn später in der Serie nie sieht, das bekommen wir nicht erklärt. Denn er rennt nach 3 Minuten der ersten Folge vor ein Auto und in einer Mischung aus Erinnerung und "Film des Lebens" setzt die erste Folge 6 Monate früher ein. Bin gespannt, ob sie das im Lauf dieser oder der nächste Staffel auflösen oder wir am Ende erfahren: 3 Staffeln lang nur ein Traum von einem Wissenschaftler, der sterbend auf dem Straßenpflaster liegt...
 Eine ganz neue Rubrik: Bücher, die ich NICHT lesen werde. Das könnte schnell in die Millionen gehen. Aber dieses, Littells "Die Wohlgesinnten" hat einen besonderen Grund, NICHT gelesen zu werden. Ich hatte es letzten Samstag gekauft, am Tag des Erscheinens, hatte die letzten 12 Monate die Geschichte des Buchs in Frankreich verfolgt, hatte mich gefreut, ja gefreut, auf das Buch, ein historischer Stoff, der mich beschäftigt, in einer Perspektive, die wirklich fremd und neu ist für einen Roman zu lesen. Dazu die irre Publikationsgeschichte, das erste Buch eines unbekannten Autors, 1200 Seiten, dann Prix Goncourt und viel „Uffregung“. Es klang wie wie der literarische Schlussstein einer Kathedrale von Büchern über den Holocaust.
Und dann lag es da von letzten Samstag an auf meinem Lesetischchen, ein Ziegel von Buch, zurück ins Deutsche übersetzt mit noch mehr Seiten, einem extra Begleitband, im Internet kann man bei amazon das Organigramm der Wehrmacht und der SS runterladen und einen Brief von Littell an die Übersetzer. Das Buch selbst im Gallimard Design: beigefarbener Einband mit roter Banderole, kein Foto, bestechende Klarheit.
Die Plastikfolie noch drum, konnte ich mich nicht durchringen, sie zu öffnen. Es waren gar nicht die sicher 10 Rezensionen, die ich gelesen habe: keine einzige positiv, was zu erwarten war - wir sind schließlich in Deutschland, dem Land der Holocaust Experten und der vom Kainsmal der Täternation durchdrungenen Aufarbeitungsindustrie. Auch nach 60 Jahren gehen im ZDF bei Guido Knopp, im Kino oder Spiegeltitel über Hitler und seine Spießgesellen IMMER! Und da hinein kracht dieses Buch, das laut Autor Littell sich an Flaubert messen lassen will und laut einiger Kritiker an Tolstoi anknüpft, und dabei nicht weniger klären will, als DAS Rätsel des 20. Jahrhunderts: WIE war es möglich, wie konnte eine Kulturnation wie Deutschland die industrielle Vernichtung, die bürokratisch bis ins Detail organisierte Verschrottung von Millionen Menschen durchführen? Ein jüdischer Jungautor aus Amerika und Yale Student, schreibt auf französisch ein Buch aus der Perspektive eines deutschen SS Manns und landet einen riesen Erfolg bei den Nachbarn - das musste Probleme geben.
Das große, unfassbare WARUM und WIE war es möglich, das will Littell mit der Figur des homosexuellen, inzestuösen, Muttermörder und SS-Manns Max Aue klären, der in einem wilden Ritt durch das Europa der Kriegszeit überall auftaucht und mitmischt, der mit Himmler speist und Juden in Babi Jar meuchelt, der Debatten führt über klassische Musik und dann wieder gut deutsch strukturiert vernichtet, was ihm zur Vernichtung aufgetragen wurde, der vögelt, was er vor die Flinte kriegt und dann wieder den strammen SSler gibt. Klingt gut in Anbetracht der Tatsache, dass noch viel unfassbarere Dinge damals geschehen sind als der in Aue fleischgewordene Irrsinn. Doch fast alle Rezensionen fanden Gründe, das Buch als mißlungen zu bezeichnen. Von Gewaltporno, über geschwätzig, sprachlich unzureichend, zu lang und doch inhaltsleer, zu detailliert bis zu „unglaubwürdig“ (als wenn das ein Kriterium für Literatur wäre) gingen die Vorwürfe. Alle hatten was auszusetzen, aber alle was anderes. Und alle verpackten es in gewundenen Worten, in bemühter Tiefgründigkeit, um sich ja nicht vorwerfen zu lassen, man kritisiere das Buch als Einmischung in die inneren Angelegenheiten der eigenen, so profitablen und irgendwie exklusiven Beschäftigung mit dem Holocaust. Aber es gab in den vielen Gründen, was als schlecht, nicht gelungen oder schwach konstatiert wurde zwei inhaltliche Konstanten: Keiner hat dem Autor historische Ungenauigkeit vorgeworfen (Dienstränge und Namen und Orte und Geschehnisse scheinen von historischen Forschungen gedeckt) und ALLE waren von den drastischen Gewaltszenen, den farbenfroh beschriebenen Massakern erschüttert, von denen das Buch lebt und durch die es seinen Schrecken gewinnt: die "Dabei-Perspektive".
Als ich das erkannte, erinnerte ich mich an zwei Leseerlebnisse der Vergangenheit: Zum einen den Roman American Psycho von Brett Easton Ellis und zum anderen das Sachbuch Täter von Harald Welzer - zwei Bücher die ich NICHT zu Ende lesen konnte, weil mir schlecht wurde, nicht im übertragenen Sinn! Die Bilder dort, die Beschreibungen der Gewalt in diesen beiden Büchern drangen bis in meine Träume. Ich bin nicht zartbesaitet, hab früher gern Horrorfilme gesehen, war großer King Fan, ich ertrage sogar die alltägliche Bildgewalt in den Nachrichten ganz gut. Aber diese beiden Bücher waren zuviel. In beiden findet man weniger literarisierte Gewalt, sondern kalt, nackt, direkt beschriebene Exzesse des menschlichen Geistes, der Dinge entsinnt, was man mit anderen Menschen, ihren Körpern und Seelen tun kann. Dinge, die mir den Schlaf rauben. Bei American Psycho unterfüttert mit viel krankem Sex und Gefühllosigkeit, bei dem Sachbuch von Welzer unterfüttert mit beängstigend gelassener Reflexion der Täter über ihre unfassbaren Taten. Also zusammen genau die zwei Elemente, die den Kern von Littells Buch ausmachen sollen Das kann ich nicht lesen, wurde mir klar. Und weil ich mal selbstbewusst behaupte, dass mein Bildungsbedarf in Fragen Holocaust gut gedeckt ist und weil ich Literatur zwar nicht als bloße Unterhaltung, aber eben auch nicht als psychologische Konfrontationsstrategie begreife, hab ich das Buch gestern in die Buchhandlung zurückgebracht. I prefer not to...
Laaaaaaang lang ist's her seit dem letzten Eintrag. Lebt ein Blog, wenn er nicht mehr bearbeitet wird? Die Japaner, von denen nach den englischsprachingen Blogs weltweit die meisten betrieben werden, sie haben sogar einen Namen für einen zurückgelassenen Blog: ishikoro: Kieselstein. Dabei habe ich diverse Konzerte gesehen, sicher 30 Filme, auch zwei schöne Bücher gelesen, aber die Lust das hier zu verwursten war nicht da. Viel schlimmer: ich hab nicht mal dran gedacht.
Heute dann festgestellt, dass das hier ohnehin keinen Blog ist, wie er gedacht ist: Copy Paste von anderen Seiten und den eigenen Senf dazu, Dissing und schöne verbale Backpfeifen zu allen nur denkbaren Themen, Community Building mit links und Kommentraren, obsessive Detailsuche und links zu dem bearbeiteten Thema und vor allem: unter Pseudonym schreiben. (mehr dazu in diesem sehr interessanten Text aus der NY Review of Books.)
Nichts davon hier. Also ist das hier kein Blog und wird jetzt auch nicht mehr so heißen. Die Inhalte bleiben, wenn sie denn kommen :-)
 "Happiness" war ein großartiger, schmerzhafter Film, weil alle Figuren dieses amerikanischen Panopitikums so kaputt waren. In seinem Nachfolger "Storytelling" bleibt sich Todd Solondz treu. Auch hier, vor allem die Männer desillusioniert, antriebsarm oder mansich-depressiv und americano-egozentrisch. Wir sehen: Behinderten-Bashing im Literaturkurs, Rassismus beim Sex und die Fitkionalisierung desselben, Söhne die ihre Väter hypnotisieren und ein intellekuteller Dokufilmer, der als Schuhverkäufer arbeitet und eine Film über die Highschool Kids der Surburbs macht - die er zugleich hasst wie beneidet.Verlierer alle - mit oder ohne Geld auf ihre Weise.
Zwei Teile hat der Film: "Fiktion" der erste und "Wahre Geschichten" der zweite. Teil 1, die Geschichte eines Päärchens in einem Literatukurs und des schwarzen Professors, der alle weiße Studentinnen flachlegt, ist bitter, dicht und komisch, erinnert an Happiness in seiner Unerbittlichkeit. Der zweite Teil umfasst die restlichen 2/3 des Films und handelt von besagtem Dokufimer, der den Sohn einer typischen Surburbia Familie, Scooby, und seine "Ich hab kein Bock auf Nix"- Phase begleitet und sich über seine Teenie Träume lustig macht: er will ins Fernsehen, wie wohl heute jeder zweite zwischen 11 und 21. Am Ende sind einige tot und alle am Ende. Auch der Film. Doch die Geschichte ist nicht zuende erzählt. Der Film lässt einen durch das Ungleichgewicht der beiden Teile unbefriedigt zurück, man erwarte eigentlich noch einen dritten Teil, ganz hegeliianisch eine Synthese nach These und Antithese, oder zumindest einen dritten Akt mit Auflösung. Gibts nicht.
Der Film hat seine Momente, aber leider nicht die Klasse und Bedachtheit und Kompaktheit, die Happiness ausmachte.
 Die Schauspielerfahrung von Glen Hansard, Kopf und Sänger der irischen Band The Frames beschränkte sich auf einen kurzen Auftritt im Film The Committments 1991, und seine Partnerin Markéta Irglová hatte überhaupt keine Schauspielerfahrung. Doch nach einigem Hin und Her hat der Regisseur John Carney seinen Freund Hansard überzeugt, nicht nur die Musik zu seinem Film zu schreiben, sondern auch gleich die Hauptrolle zu übernehmen. Und das war eine gute Entscheidung! Once ist eine Musikergeschichte verwoben mit der Geschichte einer unmöglichen Liebe und er ist eine tragisch- schöne Liebesgeschichte verwoben mit einer gelingenden Musikgeschichte. Der Film ist eine Art Reise, in der die Musik zwei verletzte Menschen einander näher bringt, denen es aber eben wie in Lost in Translation nicht gelingen wird, eine funktionierende oder sagen wir eine bleibende, feste Form für ihre Gefühle zu finden.
Während es bei Lost in Translation die Verlorenheit in Japan war, das gesichtslose Luxushotel, die Isolierung in der Fremde, welche die beiden Figuren einander näher brachten, so ist es in Once die Musik. Glen Hansard spielt einen Straßenmusiker, der eine tschechische Immigrantin in Dublins Fußgängerzone kennenlernt. Die beiden necken sich, sie hört in seinen Songs die verletze Seele, den gekränkten Romantiker, zu dem ihn eine offenbar gescheiterte Beziehung gemacht hat. Sie selbst wirkt beschwingt und gut gelaunt und offensiv - aber als er ihr dann näher kommt, schreckt auch sie zurück.
Die Tschechin ist eigentlich Pianistin, verdingt sich im teuren Dublin aber als Putzfrau, lebt mit ihrer Mutter und ihrer zweijährigen Tochter in einer kleinen Wohnung. Man denkt es kommt, wie es kommen muss: Die beiden finden sich und heilen einander von ihren Liebesblessuren. Aber sie finden zunächst nur über die Musik zusammen: Die großartigen, patethisch, romantischen Songs von Hansard und dann auch im Duett mit seiner tschechischen Freundin sind Teil des Filmplots, die Texte der Songs und die zunehmende Kraft und Klarheit der Lieder korrespondiert mit den Gefühlen der beiden. Doch die Harmonie, die Nähe, die man zwischen den beiden spürt, wenn sie zusammen singen, sie gelingt ihnen leider in der Welt ohne Musik nicht - sie kommen nicht zusammen.
Am Ende nehmen die beiden verhinderten Liebhaber mit einer kleinen Band eine Demo CD auf - der Straßenmusiker ist seinem Traum ein „echter“ Musiker zu werden einen Schritt näher. Und dann, als wenn die Musik und die empfundene Nähe ihnen Mut gegeben hätte, wollen es beide nicht miteinander, sondern nochmals mit ihren Ex‘s zu versuchen. Die beiden gehen jedoch auseinander im Wissen um die Möglichkeit einer gelingenden Liebe, die aber nur Möglichkeit bleiben wird in dieser Geschichte.
Sehr sehr schöner Film mit herzzerreißend schöner Musik, eine kleine, berührende Liebesgeschichte mit der richtigen Musik und einem Ende, wie das Leben es manchmal bereit hält - wenn es gütig und zugleich grausam zu den Liebenden ist.
 Ein wenig erinnert es an die jahrelang unbefriedigt gebliebene Sehnsucht der deutschen Literaturkritiker nach dem „großen Wenderoman“, wenn man jetzt die Lobeshymnen oder Verrisse von Don Delillos Buch „Falling Man“ liest. Texte und Filme zum 11. September werden daran gemessen, ob sie den Schrecken, die Verstörung und auch das weltumspannende Entsetzen erfassen, künstlerisch verarbeiten und transzendieren können. Bei den Romanen ist es bisher schief gegangen: ob Beiderbecks Windows of the World oder Jedermann von Philip Roth oder Updikes Terrorist. Das waren entweder peinliche, unglaubwürdige Einblicke in Terroristenhirne oder mit Bedeutung aufgeladene Beschreibungen von Opfergeschichten, die wenig mehr zu sagen hatten, als: Terror ist schlimm, Verlust ist tragisch. Und so waren diese Texte vor allem eins: Beleg dafür, dass das Thema die Autoren überforderte.
Leider scheitert auch Don Delillos Roman Falling Man. Überraschend ist das vor allem deshalb, weil man von ihm noch am ehesten erwartet hätte, einen Ton, eine Perspektive und vor allem eine Haltung gegenüber den Ereignissen und den Folgen des 11. September für das amerikanische Lebensgefühl zu finden. Kurz nach dem 11.9.2001 erschien sein grandioser Essay "In den Ruinen der Zukunft", in dem er in wenigen Absätzen Gegenwart und Zukunft des amerikanischen Lebensgefühls skizzieren konnte. Er hat seit dem zur Bedächtigkeit aufgerufen und die letzten Jahre damit verbracht über den 11.9. zu lesen und zu nachzudenken. Und nun, sieben Jahre „nach den Flugzeugen“ wie die Zeitrechnung pathetisch im Roman bestimmt wird, erscheint „Falling Man“.
Der Beginn von Falling Man ist noch vielversprechend: Der Leser wird zusammen mit Keith von einem Moment auf den nächsten in das Geschehen gerissen: beginnend mit der ersten Seite folgen wir Keith aus dem gerade einstürzenden WTC auf die Straße und hinein in seine eigentlich gescheiterte Ehe, die durch seine Rückkehr wiederbelebt wird. Die Geschichte der Ehe zwischen Keith und Lianne ist also nicht die nach 9/11 tausendfach geschilderte vom geliebten Ehemann oder der geliebten Ehefrau, die noch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterließ und dann zu Staub wurde, sondern dies ist die Geschichte eines Überlebenden, dessen Distanz und Kälte seine Ehe zerrüttet hatte und der auch „nach den Flugzeugen“weiter kühl und distanziert ist - nur öfter zu Haus.
Es gehört zu den stärksten Passagen im Buch, wenn in den Tagen nach dem 11.9. das Alltägliche für Keith fast religiöse Bedeutung bekommt: die Spielkarte auf einem Tisch, eine Blüte oder ein einzelner Schuh auf der Straße werden zu einem Symbol für etwas, das der Leser genau wie die Hauptfigur Keith zwar spüren, aber nicht greifen können. Die Berührung oder auch nur das Licht in seinem Apartement bedeuten: Ich bin da. Großartig auch die Beschreibung wie Keith, der in einem langen Marsch über die Treppen hinunter und hinaus aus dem zuerst getroffenen Turm, sich in den folgenden Wochen obsessiv mit seinem Körper beschäftigt, wie er sich hingezogen fühlt zu den Fitnessfanatikern in einem Studio, die ihren Körper stärker, schneller und widerstandfähiger machen wollen. Keith betreibt die Krankengymnastik für seine verletzte Hand wie eine Meditationsaufgabe, diszipliniert, konzentriert und auf eine mögliche Offenbarung hin gerichtet.
Besonders misslungen und deplaziert dagegen sind die Einschübe in dier Erzählung aus der Hamburger Islamisten-WG (Bart wachsen lassen, Koran lesen, onanieren) die Zeit der Terrorisen in den USA (Flugschule, Sexfantasien, Isolation) und dann im Anflug auf das WTC (Zweifel, Schmerz, Euphorie). Sie wirken in einer Weise zusammengeschustert und oberflächlich, dass man ob der belegbaren Fähigkeiten Delillos ein wenig erschüttert ist. Wie konnte es diesem Autor passieren, in solch billiger Art und Weise die Beweggründe der Terroristen als eine Mischung aus Gehirnwäsche, schwachem Ego und mangelnder Sex darzustellen? In Falling Man ergeben die Einzelteile zusammen kein Gesamtbild, aber auch keine interessanten, einzelnen Fragmente, sondern nur eine platte, zerfaserte Kakophonie von Erklärungsversuchen. Selbst wenn genau das beabsichtigt war, dass also die Einzelteile, sich einfach nicht zum Gesamtbild formen sollen, weil das Land und die Menschen nach 9/11 kein Zentrum mehr haben, dann muss es doch wenigstens bewegende und handelnde Figuren geben, die den Roman tragen. Gesprächen ähneln Monologen, sie handlen von Gott und Religion, der Theodizee, Islam und Gewalt und klingen wie in Dialogform transformierte Essay Skizzen, die nur über Delillos Mühen, eine kohärente Haltung zu dem Geschehen zu entwickeln, Auskunft geben. Das Buch wird so ein „Konzeptkonstrukt", die Charaktere bleiben abstrakt, blass, wie von den unfertigen Ideen des Autors geführte Marionetten.
Am Ende schläft Keith mit einer Frau, die er nicht attraktiv findet, aber die eben auch WTC Überlebende ist (Motto: Schmerz verbindet), er wird zum professionellen Pokerspieler (Motto: das ganze Leben ist ein Quiz), seine Frau denkt an Kiergegaard, hat Angst vor Alzheimer (Motto: Gott ist ekrlärbar und Vergessen kann auch heilsam sein), die arabische Musik einer Nachbarin führt zu Handgreiflichkeiten (Motto: die Nerven liegen blank, die Gewalt muss sich irgendwo entladen, der Araber ist Schuld) - „die einfachsten Worte verlieren ihre Bedeutung in der fallenden Asche“, schreibt Delillo. Leider besteht Delillos Buch auch aus vielen solchen Worten.
Eins der seltenen Interviews mit Don Delillo zu Falling Man und 9/11.

Ich hab‘s gesehen Ich war vor Ort, Ich hab das Herz der Dunkelheit sich öffnen sehen (Kante)
Es würde eine Messe werden. Das war klar, als die riesigen Orgelpfeifen im Bühnenhintergrund aufgerichtet wurden….Als das Licht ausging, leuchtete die Neonbibel von runden Leinwänden und eine durchgeknallte Predigerin beschwor das Ende des Lebens, wie wir es kennen. Sie hat Recht behalten. Sie kommen auf die Bühne, 1,2,...5,7,...8,9,10 Musiker und wohl doppelt soviele Instrumente von der Handtrommel bis zum silbernen Kontrabass, Tuba, Horn, Geigen, undundund. Es ist schon eine Leistung, dass all diese Instrumente in einer Rockkonzerthalle wie der Columbiahalle in Berlin nicht wie Brei und Matsch klingen. Arcade Fire gelingt es nach einigen Minuten eine Klangwand zu schaffen, die so gar nicht Raufaser, sondern schillernder Wandteppich ist: feingewebt mit vielen Details, die sich zu einem überwältigend schönen Ganzen fügen. Aber damit ist ja noch nicht gesagt, wie schön die Lieder sind. Denn neben dem Klang begeistern sie in ihrer grandiosen Mischung aus Melancholie, treibenden Rhythmen aller möglichen Stilrichtungen, Songs, die mit einem Ton beginnen, einer Stimme und in einem Crescendo aus Instrumenten, Stimmen, Schlagwerken enden. Dann Songs, die wie ein Überfallkommando hereinbrechen und einem in ihrer Direktheit und Tiefe die Tränen in die Augen treiben. Abgesehen von dem schweißtreibenden Effekt des Hüpfens und Tanzens.
Es beginnt mit dem Eröffnungsstück ihrer Neon Bible Platte: Black Mirror. Nach diesem Stück habe ich mich an Darth Vader erinnert, der seine Maske abnahm, um wenigstens noch ein Mal mit eigenen Augen das Leben zu sehen. Und so nahm ich meine Ohrstöpsel raus - weg mit allem Schutz! Seltsamerweise - und das zeigt eben auch ihre Klasse - sind Arcade Fire auch beim Einsatz aller Instrumente, und auch als dann endlich die Orgel bei Intervention ertönt, nie zu laut. Sie wollen mit der Orgel nicht im Bombast alles wegdröhnen und bloß überwältigen. Die Orgel in ihrer optischen Dominanz wird nicht der akustische und auch nicht dramaturgische Höhepunkt des Konzerts, sondern fügt sich ins Kollektiv der schönen Songs ein - so wie in der Band alle für alle zusammenspielen und daraus ihre Stärke ziehen. Es geht nicht um lärmende Eitelkeiten, sondern Arcade Fire und eben so ihre Lieder sind eine Versammlung von Individualisten, die zusammen etwas schaffen, dass mehr als die Summe der einzelnen Teile ist - um nochmals Kante zu zitieren.
Wunderbar der Lockenkopf Richard Parry mit den Micky Mouse Kopfhörern, der zwischen Megaphonen, Trommeln, Bass, Keyboard und allerhand anderen Instrumenten über die Bühne tobt und sein Bandkollege Will Butler (Wins Bruder), der mit einer Trommel um den Hals an einem der Boxentürme hängend wie irre, wie das Tier aus der Muppet Show auf sein Instrument drischt. Munter werden während des Konzerts die Instrumente untereinander gewechselt, Régine Chassagne (verheiratet mit Win), die mit Sänger Win Butler auch die meisten Songs schreibt, singt, spielt mal Schlagzeug, Gitarre und lässt die Orgel ertönen. An diesem Abend ist wirklich jedes Lied ein Treffer, von Rebellion Lies über Neigbouhood No. 2 über das wunderbare In the Backseet bis hin zu den Krachern des letzten Albums, No Cars Go und der Springsteen Hommage Antichrist Television Blues und eins der schönste Stücke überhaupt Keep the Car running. Als erste Zugabe nach eineinhalb Stunden spielen sie ein altes Stück das Win Butler offenbar an seinen Schulausflug nach Berlin in den 80ern denkend schrieb. Surf City heißt dieses ruhige, irritierende kleine Ding. Danach dann, als krönenden Abschluss das genial wunderbare Wake up. Und das haben sie geschafft - wir sind wach mit allen Sinnen, beseelt und glücklich. Ganzganz großer Abend!
Nachdem nun auch der Boss Springsteen sie bei einem Auftritt in Toronto auf die Bühne bat und mit ihnen Keep the Car running spielte, Bowie ihr Fan ist und mit Arcade Fire auftrat, U2 Wake up bei der Vertigo-Tour spielten und zuletzt der Sänger von Coldplay Arcade Fire als die beste Band der Welt bezeichnete, können sie nun hoffentlich - von so vielen gesalbt - in Ruhe noch viele, viele Platten machen, um mit ihrer Musik den Rest der Welt zu überzeugen. Und hier eine irre kleine Version von "Neon Bible" mit allen Zehn in einem Fahrstuhl live gespielt:
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