Das hier ist ja kein Blog. Und sicher kein kein Blog über Mode (mir fällt  nach diesem Satz der Stoibersche Nonsens ein, "Es gibt keine nationale Kultur, und sie ist bestimmt nicht in Berlin" (zur Frage nach einer Nationalstiftung für deutsche Kultur) - ABER: auf der gerade zuende gegangenen Italienreise musste ich unglaubliche Dinge sehen. Dinge, die alle Italiensehnsucht ersticken können und mit Klischees aufräumen: die stilprägenden, bisher jeden teutonischen Mann neidisch werdende modische Sicherheit italienischer Männer hat einen herben Schlag erlitten: Man trägt dort die Kragen hochgeklappt. Und noch schlimmer: Selbst Marken wie die Pint-Drinking, Manchester Kneipenschläger Fred Perry Polohemden werden so getragen. Unfassbar. Mozarella veseucht, Müllskandal, Mafia und nun das - die Anzeichen mehren sich. Italien geht unter.


Dann lieber Aussehen wie Mamas Liebling. Aber wenigstens der Kragen stimmt.
(Ach ja, noch ein Hinweis: Als wir in Italien in einem Internetcafe in eben dieses Internet wollten wurde uns mitgeteil: "Sorry, Internet is closed" - damit wäre dann Italien das einzige Land der Welt, wo nicht nur Mittags alle Läden 3 Stunden zu machen, sondern auch das Internet irgendwann schließt. Öffnungszeiten konnte mir auch auf Nachfrage niemand geben....)


 
 

"Düster!" war das, was den meisten zum Film einfiel. Fand ich gar nicht. Nicht düsterer als Star Wars, wenn das Böse gegen das Gute kämpfte.
Eine Menge politische Anspielungen, die kann man sehen: Amerika im Krieg, der Kapitalismus, eine Armee, die behauptet Gutes zu tun und die Welt zu retten und dabei über Leichen geht. Wer da nicht "Irak" denkt und den ganzen Krieg gegen den Terror, der hat keine Zeitung gelesen in den letzten Jahren.
Aber ansonsten: Vater-Sohn Ding, ein junger Idealist sucht seine Identiät, ein bisserl Küchentisch-Psychologie (man muss sich seinen inneren Ängsten stellen) und Dress-up, ein überzüchtetes Auto und 'ne nette kleine unereichbare Liebe (die wie bei Spider Man, wegen der Größe der Aufgabe wohl lange warten muss auf ihren Bruce).

Ein guter Film, wenig Klischees und ein glaubwürdiger Mann, der an einem bestimmten Punkt seines Lebens ein Kostüm anzieht um Gutes zu tun - das wirkt gar nicht albern. Wie bei dem ebenso tollen "Iron Man", der vor einigen Monaten im Kino lief, ist Bruce Wayne ein Selfmade Superheld, keine Superkräfte, sondern nur Training und ein starker Wille machen ihn zum Hero. Kein Marvel Held (Superman, Spiderman, Fantastic Four...), sondern der Aussenseiter der Superhelden von DC Comics. Und dessen Anfang, vom selbstmitleidigen, gestrauchelten Milliardär (auch wie in Iron Man) zum Helden mit selbstgebastelten Waffen und Auftrag - diese Geschichte wird hier erzählt.
Christopher Nolan, Regisseur von "Batman begins" wie auch dem nächste Woche startenden "Dark Knight" kann es einfach. Sein Hauptdarsteller Christian Bale überzeugte mich fast so wie in dem grandiosen "The Prestigef" - ebenfalls von Nolan. Also: ein Heldenfilm, vielleich der Beste der gesamten Batmanreihe, weil aller Schnickschnack (kitschiges Liebesgeflüster, übermächtige Helden mit Masken und Maschinen, Sidekicks in Strumphosen (Robin) oder Leder-hauteng(Catwoman)) fehlt und der Gegner, der alte Lehrer ist, fast eine Vaterfigur - immer ein toller Konflikt.
Aber nur als sich Liam Neeson als Lehrer/Gegner und sein ehemaliger Schüler gegenüberstehen, um den großen Schlusskampf zu bestreiten, konnte ich angsichts dieser klassischen Konstellation nicht anders, als an Darth Vader und Luke zu denken - düsterer Moment der Star Wars damals, ödipaler Kampf der Generationen.
Ansonsten freu ich mich jetzt auf Dark Knight, der Joker hat ja schon  seine erste Spielkarte hinterlassen, wie als Ankündigung, dass es nun wilder wird...


 
 

Die Entdeckung in Martin Gypkens Film ist für mich Karina Plachetka. Vielleicht weil sie so wunderbar verschlossen wirkt und doch als einzige der Figuren etwas tut und es drauf ankommen lässt im Gegensatz zu den andern Stoikern. Und schön ist sie. Ihre Episode mit Stipe Erceg war (wie die Island Episode) die einzige, die mir von der Lektüre des Judith Hermann Buchs mit dem gleichen Titel noch in Erinnerung war. Ein Buch, das nicht unbedingt Lust machte, den Film zu sehen. Von all den sich in verschiedenen Phasen des Scheiterns begriffenen Freundschaften und Beziehungen war keine Figur und auch kaum eine Geschichte hängen geblieben.
Ist aber schon was her, also warum nicht gucken, wie der Regisseur es geschafft hat, die unzusammenhängenden Geschichten von Judith Hermann zu einem Film zusammenzubinden. Wie bei Short Cuts (Vorlage auch ein Band von Erzählungen) würde nicht gehen, denn in Nichts als Gespenster sind alle irgendwo unterwegs, während in Short Cuts L.A. alles zusammenhält und die Figuren (ohne es zu wissen) einander begegnen. Nicht so hier. Bewegung emotional statischer Figuren in allen möglichen Weltengegenden ist der Zusammenhang. Und weil mir vom Buch so wenig in Erinnerung geblieben war, fand ich das Plakat zum Film äußerst treffend.
Nach dem Film haben die Figuren dann aber Gesichter! Was vor allem an den Darstellern liegt, nicht unbedingt an den Geschichten, die allesamt ein schales Gefühl zurücklassen, wenn auch der eine, kleine Moment, in dem alle Figuren hoffen überwältigt zu werden, filmisch schön erschaffen wurde.


Überhaupt: der FIlm ist nicht richtig toll, aber was wir für klasse junge (naja um die 30 eben) Schauspieler haben, das ist beeindruckend. Um so erstaunlicher, dass  ich von einigen, wie Frau Plachetka, noch nie gehört hatte - ich dacht ich guck viel Kino und DVD. Und so geht es mir etwa mit der Hälfte der Darsteller: TOLL, aber wer ist das?? Die anderen sind recht bekannt: Fritzi Haberland, Jessica Schwarz, August Diehl, Wotan Wilke Möhring (what a name!!) und eben Stipe Erceg. Die hauen den Film nicht raus, aber sie sehen alle gut aus und spielen diese seltsamen Typen mit dem Gefühl für den Judith Hermann Zeitgeist:
Es wird viel geraucht von den Frauen und emotionslos, auf Erschütterung wartend dreingeschaut und (ACHTUNG CLICHÉ) für Frauen recht wenig geredet. Eigentlich fast gar nicht. Nähe wird entweder nur körperlich erruptiv oder sehr gebremst und zeitverzögert zugelassen. Die meisten Männer im Film sind der klassisch (irgendwie interessante) Schweiger, aber vor allem fremdartige Draufgänger, auf die diese als Mädchen Pferde striegelnden, gebildeten, aber emotional untertourig fahrenden Frauen stehen.
Und dann sind diese Paare, oder nicht-mehr Paare, oder noch-nicht Paare unterwegs in der Karibik, in Amerika, auf Island, in Deutschland. Und die einzige Single Frau des Films besucht ihre Eltern in Vendig, wird aber da auch von einem (wichsenden??) Italiener belästigt -  ganz ohne Männer als Trigger passiert nix in dem Film. Zwei würde ich auch optisch als "hermannesk" bezeichnen, die anderen sind exotischer, aber dennoch mit dem Generationsvirus "Ma gucken" infiziert, aus denen die Erzählungen und auch der Film schöpft. Die Bilder scheinen sich an Traffic zu orientieren, die Farben je nach Klima extrem blau oder gelbstichig, monochrom oder grellbunt. Ein paar sehr nach französischen Kino anmutenden (Rauchen!! Gucken!!) Momente und dazu tolle Landschaft. Das ist ein Film über Paare, auf die fast immer der Spruch zutrifft: Schlimmer als allein sein, ist die Einsamkeit zu zweit. Das ist Zeitgeistkino für Großstädter unterwegs, die egal wo, doch nur immer sich selbst begegnen. Und da ist Hotel Very Welcome von Sonja Heiss ein viel humorvollerer, sich selbst nicht so wichtig nehmender Film, der dieses Dilemma, also woanders nur den eigenen Problemen zu begegnen, umsetzt.

 
 

Zu der Vorband Earthbend aus Finsterwalde nur soviel: Sie haben QOTSA und auch Soundgarden gehört und das Gehörte amtlich nachmacherisch runtergeschrammel.
Dann aber kamen Mr. White und seine Mannen von den Raconteurs und haben gezeigt, wie's geht: Mit Ironie, mit Witz, mit Ausgelassenheit, mit Intelligenz. Und Ideen - neuen Ideen im manchmal tot erscheinenden RocknRoll.
Und wer bei so einer Beschreibung verkopften Studentenpop a la Adam Green erwartet, wurde eines besseren belehrt. Gerknallt haben sie, die Halle gerockt und uns das Letzte abverlangt. Aber immer wenn die Hälse sich ans Bangen und die Beine sich ans Hüpfen gewöhnten, wurde der Beat gebrochen, der Schweinerockrhythmus wurde zum dekonstruierten Blues, aus einer bittersüßen Melodie entsprang ein Fluß brachialer Gitarrenkaskaden und dann wieder zurück oder schnell um die Kurve in eine art Deleuzerock Solo.

Sängerisch teilten sich Brendon Benson, skinny as a rail, mit schön klarer Stimme und der massige Jack White den Abend. Und während Benson sang und sprang, stand Jack White entspannt im Hintergrund und frickelte gewohnt undurchschaubar toll auf den Saiten. Und wenn er dran war, sang er klar, schnell, präzise in allen greifbaren Modulationen.
Daneben stand Jack Lawrence am Bass: lange, vorhangglatte, schwarze Haare, große Brille, Hemd, Krawatte - er schien direkt entstiegen aus einem Wes Anderson Film, in dem er witzig melancholische Sätze von sich gibt und auch viel rumsteht. Und von da ist er wohl auf die Bühne rauf und lieferte das sichere Fundament für die sich ansonsten in alle Richtungen ausdehnenden Songs der Raconteurs.
Und zuletzt ein Wort zum Schlagzeuger Patrick Keeler, der bei etwa 40 Grad und 99% Luftfeuchtigkeit in Huxleys Neuer Welt in Berlin eine Art olympischen Tiatanekampf mit seinem Instrument lieferte, den es immer wieder aus seinem Schemel hob, um die Becken zu bearbeiten. Es klangen noch die letzten Töne eines Songs, da zählte er schon an, Onetwothreefour!, ab die Post!
Dreimal Danke sagen in 90 Minuten ansonsten folgte ein Song dem nächsten. Diese Dauerbeschallung führte auch dazu, dass in dem einen Moment, in dem kein neuer Song folgte, die Halle einige Sekunden ganz leise war - gerade so, als sei die Meute von der Leine gelassen aber könne mit der Freiheit gar nichts anfangen.
In die wurden wir nach zwei Zugaben und beseelt von der schieren Kraft und Klasse der Raconteurs entlassen. Das nenn ich ein Überraschungskonzert!

Ein Typ neben mir trug das T-Shirt: "I sold my soul to RocknRoll". Welchen Pakt Jack White mit dem Gehörnten auch immer abgschlossen hat, der hat Wort gehalten: solch intelligente Lässigkeit und Witz und dazu die Fähigkeit aus allem, was man mit Gitarren so machen kann, große Songs zu schaffen, das ist nicht von dieser Welt. Jack Whites Soul is doomed!

Und hier noch ihr Hit, bei dem die Halle endgültig die Fassung verlor!


 
 

Perfekt gebaut und am Ende jeder Folge ein Cliffhänger, der einem keine Chance lässt: nur Weitergucken kann beruhigen, was zu langen, langen DVD Nächten führt. HEROES heißt die grandiose Serie, die in den USA nun mit der zweiten Staffel gelaufen ist. Die Story klingt erstmal doof: Ganz normale Leute auf der ganzen Welt (naja bis auf den Japaner Hiro alle in Amerika..) entdecken eines Tages an sich Superkräfte. Aber dann wird's sympathisch: Sie streifen sich kein Cape über und beginnen die Welt zu retten, sondern sie schämen sich, verheimlichen ihre Fähigkeit, wollen ein ganz normales Leben und keine Freaks sein. Der eine oder andere spielt mit seinen Fähigkeiten (zockt im Casino, nimmt Bankautomaten aus, manipuliert die Ehefrau), wieder andere sind überfordert oder zweifeln, stürtzen in Krisen, weil sie die Rolle, die ihnen die Natur da plötzlich gegeben hat, nicht ausfüllen können oder wollen.

Da sind die Brüder Petrelli, der eine ein smarter Politiker und Karrierist (der fliegen kann, es aber nicht tut), sein Bruder Peter, das gute Herz der Serie, der sich die Eigenschaften anderer Helden aneignen kann wie ein Chamäleon und die Welt gern retten würde, aber ein Hamletartiger Zögerer und Zweifler ist. Dann ein Polizist der Gedanken lesen kann, ein Comiczeichner, der die Zukunft malen kann, eine Cheerleaderin, die nicht sterben kann, weil ihr Körper sich nach den krassesten Verletzungen wieder spontan regeneriert, eine junge Frau, die das Böse und Gute als eine Person in sich trägt und schlimme Dinge tun kann, von der ihre andere Persönlichkeit dann nichts weiß, ein Mann, der Energie erzeugen kann aber auch eine Atombombe in seinem Körper trägt, die er als Choleriker manchmal nicht unter Kontrolle hat. Sehr nett und witzig der Japaner Hiro, der das Raum-Zeit Kontinuum überwinden kann, die Zeit anhalten oder durch sie reisen kann der mit seinem Sancho Pansa Freund immer Held sein wollte und allmählich lernt wie schwierig und traurig das sein kann.
Sie alle wissen zunächst nichts von den anderen, Folge für Folge kommen neue Helden hinzu, die auf geheimnisvolle Weise alle verbunden sind, die verfolgt werden von einer "Firma" deren Absichten, gut oder böse, lange im Dunkeln bleiben. Die Helden werden aber auch verfolgt von Sylar, dem Bösen der Serie, der den Helden die Schädel aufsägt und dann ihre Fähigkeit übernimmt.

Das alles ist schnell und aufwändig gefilmt, aber nicht Matrix-schnell, sondern immer angemessen und nie werden die Figuren und Dialoge zugunsten von Action geopfert. Das macht diese Serie so stark. Es ist eine Ensemble Serie ähnlich wie "Lost", Helden sterben, neue kommen dazu, es gibt Rückblicke und Reisen in die Zukunft, die es dann unbedingt zu verhindern gilt. Im Laufe der Folgen finden die Helden zueinander, aber auch jeder für sich zu seinen Fähigkeiten, zu der Rolle in dem Großen und Ganzen. Unglaublich kompakt und präzise ist diese Serie, die Figuren glaubwüdig (was angesichts ihrer Fähigkeiten das Schwierigste sein dürfte) und tolle Dialoge.
Grandiose Serie, kann es kaum erwarten, dass Season 2 kommt.


 
 

Letzter Tag des deutsch französischen Theaterfestivals "Perspectives" in Saarbrücken. In der "Sparte 4". zeigt der Berliner Volker Gerling seine charmante Performance/Vortrag "Bilder lernen laufen". Der ehemalige Filmstudent hat seine Nische genau zwischen Fotografie und Film gefunden. Man konnte ihn in den letzten Jahren abends in Berliner Kneipen treffen, wo er mit seinem Bauchladen voller Daumenkinos seine "Wanderausstellung" zeigte. Und dann hat er den Begriff "Wanderausstellung" ernst genommen und ist auf Wanderschaft gegangen: Von Berlin nach Basel und anschließend noch einige Mal durch Deutschland. Ohne Geld - die Kunst soll ihn nähren!! Unterwegs trifft er Leute, zeigt sein Daumenkino und findet Menschen für neue Daumenkinos und bringt die Kunst zu Leuten, die mit Kunst sonst nix am Hut haben.

Ein Film, 36 Aufnahmen, 3 Bilder pro Sekunde, fertig das Kleinkino. Die Fotos sind Schwarz-Weiß und jedes einzelne eine gelungene Portraitaufnahme. Zusammen sind sie ein Film, bei dem Gerling wie er sagt nach dem "ehrlichen Moment" im Gesicht seines Modells sucht, dem Gesicht hinter den Fotoposen. Denn Gerling sagt seinen Modellen nie, dass er eine Serie schießt, sondern fragt nur, ob er sie fotografieren darf. Wenn dann die Kamera immer weiter knattert, 36 Bilder lang, verändern sich die Gesichter, lachen oder sind irritiert und verlieren meist irgendwann die Herrschaft über ihre Foto-Pose (vielleicht das Gesicht der Person, das sie gern darstellen würden) zugunsten eines Augenblicks, in dem sie sich wirklich zeigen (das, was hinter der Pose/Maske verborgen ist).
Gerling erzählt kurze Geschichten zu seinen Motiven und den Begegnungen, die einem diesen fremden Menschen in seinen Daumenkinos wirklich nahe bringen und führt die Kinos dann übertragen auf eine Leinwand vor. 
Den Künstler Gerling würde ich als schüchternen Menschen bezeichnen, dem das anmaßende Getue so vieler Berliner Künstlerkollegen fremd sein dürfte, der sich überwinden muss all die Leute anzusprechen und sich ihnen mit seinem Projekt aufzudrängen, der aber dadurch ganz andere Leute und damit Gesichter "sammeln" kann als der forsche, zackige Fotograf, der bellend Befehle erteilt und künstlich lächelt, damit seine Modelle lächeln.
Und ganz allein wochenlang ohne Geld durchs Land zu wandern um Kunst zu zeigen und zu machen, das erfordert viel mehr als Mut: es braucht den unbedingten Glauben an die Menschen und das Gute in ihnen. Wer kann schon sagen, dass er das noch hätte...


 
 


Parallelschaltung - Karfreitag - nach dem Hader Josef im Admiralspalast, der mich nicht so richtig packen konnte mit seinem Programm über Tod und Unglück und morbide Österreicher am Rande des Nervenzusammenbruchs, schalte ich um Mitternacht die Glotze an.
Und dann immer hin und her: Zwischen „Passion Christi“ von Gibson und „Die Hard“. Und schon bald fließen Helden und Metaphern, Hochhaus und Tempelberg, Erdulden und Verteidigen, Reden und Schießen ineinander….

Die Fakten: Zwei Filme, darin ein Mann gegen den Rest der Welt. Er will gutes tun und blutet bald überall. Der eine mit milden Worten und Segnungsgesten unterwegs, der andere mit UZI, Ak47, Colt, Revolver und allem was knallt. Beide wollen die Welt ein bisschen besser machen.
Hakennasige Männer mit Bärten sind in beiden Filmen die Bösen, Karikaturen mit nur einem Zweck: den Mut und die Kraft und die Schönheit der beiden Helden zu kontrastieren: einmal der deutsche Bösewicht Hans Gruber und in Jerusalem die machtversessenen Tempelpriester.
Der dann folgende Kreuzzug im wahrsten Sinne des Wortes führt bei John McClane zu Leiden und (Nah)Tod - in beiden Fällen mit späterer Auferstehung: die sie Liebenden können sie in die Arme schließen, die Welt ist eine andere. Und hernach vollbringen beide Helden noch einige Wunderwerke: so das Pfingstwunder und eine Himmelfahrt sowie die Filme Die Hard 2 und 3 und sogar 4, in dem John McClane schließlich auf dem Flügel einer F16 mitfliegt und der eigenen Himmelfahrt nur knapp entgeht.

Die reine Körperlichkeit, die Reduzierung auf das Leiden und Sterben von Jesus` Leib wurde Mel Gibsons Film vorgeworfen - neben dem wie ich finde übertriebenen Vorwurf des Antisemitismus - wenn man auch die Tempelpriester im Film direkt aus Jud Süß entnommen scheinen und good old Jesus der sanfmütige, babybehäutete, Hübschling ist. Aber auch alle anderen Sympathieträger, inklusive von J.C. sind im Film Juden und sehen nicht aus wie Stürmer Karikaturen, allerdings wirken alle, die nicht „an dem Jesus seine Sache“ glauben wollen, als von vornherein erledigt - genau wie all die bösen Buben in Die Hard - Stirb Langsam, deren baldiges Ende man kaum erwarten kann und kommen sieht.

Das physische Leiden, das den Großteil von „Passion“ ausmacht, bis dem Gibson Jesus die Fleischfetzen vom Körper lappen, das Gesicht verquollen und blutig ist und der arme Tropf am Kreuz hängt und seine leibliche Hülle verlässt, nur um mit Löchern in den Händen bald wieder zu wandeln, so ist es bei Die Hard - Stirb langsam die gleiche Geschichte eines Geschundenen, der allerdings nicht Führer einer Sekte sein will oder sich als der Sohn eines Höheren bezeichnete, dessen Leib im einsamen Kampf mit der Welt aber ebenfalls geschunden und gemartert wird, um am Ende zu triumphieren.

John McClane - und hier endet die Parallelität mit Jesus - wehrt sich mit allen Mitteln der modernen Waffentechnik. Kein sich Ergeben in das „gottgewollte“ Schicksal und die Verdorbenheit der ganzen Welt schultern und mitnehmen in den Tod, sondern McClane ist ein Macher, ein modernen Strampler und Wüterich, der sich durchkämpft, wo andere aufgeben, der weitermacht bis alle erledigt sind, der in Unterhemd und barfuß einer Armee von Feinden strotzt, gegenüber der Jesus im Tempel zu Jerusalem lediglich im zerrissenen Hemdchen steht und sagt: „Wahrlich, ich bin es“ (der Messias).
Wenn auch die Methoden verschieden sind, so ist das Ergebnis des Wirkens dieser beiden Helden wieder vergleichbar: Jesus rettet alle, die an ihn glauben und die es nicht tun, werden ewig in der Hölle schmoren. Wer an McClane glaubt, der überlebt auch (jedenfalls den Film lang), wer es nicht tut wird stantepede in die ewigen Jagdgründe befördert, vermutlich auch für immer, wo er dann neben Gruber und den bösenbösen Unglaubigen im Höllentopf schmort. Nur tot? - das wäre zu einfach.

Die Schlussszenen in beiden Filmen ist geradezu legendär: In Die Hard, der nackige McClane, lacht mit den beiden Oberbösen, die seine Freundin den Fängen haben und zieht dann eine auf den Rücken geklebte Wumme: Ende der lachenden Bösen durch Loch im Kopf.
Bei Passion: Jesus Grab ist leer, sein Körper wiederhergerichtet (bis auf die Löcher in den Händen, durch die das Licht scheint) marschiert er davon.
 Und irgendwie ahnt man es schon da: Jesus und John werden zurückkommen - to kick some ass…..


 
 

Nachdem ich mich nunmehr duch die 9. und für mich definitv letzte Staffel von ER geschaut habe -  Dr. Green stirbt und damit für mich auch der Grund ER noch weiter zu schauen - brauchte ich ein neues Projekt. Letztes Jahr sah ich zufällig zwei Folgen einer kanadischen Serie, die einen sofort packt: ReGenesis. Grob gesagt geht es um ein Bio-Forschungslabor in Toronto und seinen Chef David Sandström (Peter Outerbridge), der mit seinem Team in Fälle von Bioterrorismus, 12Monkeys mässige Verschwörungen und Miniapokalypsen vewickelt wird. Eine Mischung aus CSI und Science Fiction, in einer unbestimmten näheren Zukunft. Dazu eine ansprechende Filmästhetik mit Jumpcuts, Splitscreen und düsteren Bildern, die an "Sieben" oder eben die Welt kurz vor der Katastrophe erinnern: Irgendwie normal, aber spürbar auf der Kippe, Figuren die in einem NOCH leben, ohne es zu wissen, denen die selbsteschaffenen Monsterviren über den Kopf wachsen, die ihre persönlichen Probleme so ernst nehmen, wie man muss, aber eben durch die Arbeit und Monströsität der Krankheiten immer wieder an die Vergänglichkeit all dessen, an die dünne Schicht Sicherheit und Zufriedenheit, mit der man so lebt, erinnert werden.

In Kanada läuft gerade die 3. Staffel. arte zeigt diese gute Serie leider nicht mehr. arte und Serie, das hat wohl nicht so richtig gepasst.
Warum Sandström am  Anfang der ersten Folge alle Leute anruft, die er kennt und ihnen ihre Liebe versichert, wie einer, der der dem Tod geweiht ist, warum er vollkommen aufgelöst ist, eine Stimmung, in der man ihn später in der Serie nie sieht, das bekommen wir nicht erklärt. Denn er rennt nach 3 Minuten der ersten Folge vor ein Auto und in einer Mischung aus Erinnerung und "Film des Lebens" setzt die erste Folge 6 Monate früher ein. Bin gespannt, ob sie das im Lauf dieser oder der nächste Staffel auflösen oder wir am Ende erfahren: 3 Staffeln lang nur ein Traum von einem Wissenschaftler, der sterbend auf dem Straßenpflaster liegt...


 
 

Eine ganz neue Rubrik: Bücher, die ich NICHT lesen werde. Das könnte schnell in die Millionen gehen. Aber dieses, Littells "Die Wohlgesinnten" hat einen besonderen Grund, NICHT gelesen zu werden. Ich hatte es letzten Samstag gekauft, am Tag des Erscheinens, hatte die letzten 12 Monate die Geschichte des Buchs in Frankreich verfolgt, hatte mich gefreut, ja gefreut, auf das Buch, ein historischer Stoff, der mich beschäftigt, in einer Perspektive, die wirklich fremd und neu ist für einen Roman zu lesen. Dazu die irre Publikationsgeschichte, das erste Buch eines unbekannten Autors, 1200 Seiten, dann Prix Goncourt und viel „Uffregung“. Es klang wie wie der literarische Schlussstein einer Kathedrale von Büchern über den Holocaust.

Und dann lag es da von letzten Samstag an auf meinem Lesetischchen, ein Ziegel von Buch, zurück ins Deutsche übersetzt mit noch mehr Seiten, einem extra Begleitband, im Internet kann man bei amazon das Organigramm der Wehrmacht und der SS runterladen und einen Brief von Littell an die Übersetzer. Das Buch selbst im Gallimard Design: beigefarbener Einband mit roter Banderole, kein Foto, bestechende Klarheit.

Die Plastikfolie noch drum, konnte ich mich nicht durchringen, sie zu öffnen. Es waren gar nicht die sicher 10 Rezensionen, die ich gelesen habe: keine einzige positiv, was zu erwarten war - wir sind schließlich in Deutschland, dem Land der Holocaust Experten und der vom Kainsmal der Täternation durchdrungenen Aufarbeitungsindustrie. Auch nach 60 Jahren gehen im ZDF bei Guido Knopp, im Kino oder Spiegeltitel über Hitler und seine Spießgesellen IMMER! Und da hinein kracht dieses Buch, das laut Autor Littell sich an Flaubert messen lassen will und laut einiger Kritiker an Tolstoi anknüpft, und dabei nicht weniger klären will, als DAS Rätsel des 20. Jahrhunderts: WIE war es möglich, wie konnte eine Kulturnation wie Deutschland die industrielle Vernichtung, die bürokratisch bis ins Detail organisierte Verschrottung von Millionen Menschen durchführen?
Ein jüdischer Jungautor aus Amerika und Yale Student, schreibt auf französisch ein Buch aus der Perspektive eines deutschen SS Manns und landet einen riesen Erfolg bei den Nachbarn - das musste Probleme geben.

Das große, unfassbare WARUM und WIE war es möglich, das will Littell mit der Figur des homosexuellen, inzestuösen, Muttermörder und SS-Manns Max Aue klären, der in einem wilden Ritt durch das Europa der Kriegszeit überall auftaucht und mitmischt, der mit Himmler speist und Juden in Babi Jar meuchelt, der Debatten führt über klassische Musik und dann wieder gut deutsch strukturiert vernichtet, was ihm zur Vernichtung aufgetragen wurde, der vögelt, was er vor die Flinte kriegt und dann wieder den strammen SSler gibt. Klingt gut in Anbetracht der Tatsache, dass noch viel unfassbarere Dinge damals geschehen sind als der in Aue fleischgewordene Irrsinn.
Doch fast alle Rezensionen fanden Gründe, das Buch als mißlungen zu bezeichnen. Von Gewaltporno, über geschwätzig, sprachlich unzureichend, zu lang und doch inhaltsleer, zu detailliert bis zu „unglaubwürdig“ (als wenn das ein Kriterium für Literatur wäre) gingen die Vorwürfe. Alle hatten was auszusetzen, aber alle was anderes. Und alle verpackten es in gewundenen Worten, in bemühter Tiefgründigkeit, um sich ja nicht vorwerfen zu lassen, man kritisiere das Buch als Einmischung in die inneren Angelegenheiten der eigenen, so profitablen und irgendwie exklusiven Beschäftigung mit dem Holocaust.
Aber es gab in den vielen Gründen, was als schlecht, nicht gelungen oder schwach konstatiert wurde zwei inhaltliche Konstanten: Keiner hat dem Autor historische Ungenauigkeit vorgeworfen (Dienstränge und Namen und Orte und Geschehnisse scheinen von historischen Forschungen gedeckt) und ALLE waren von den drastischen Gewaltszenen, den farbenfroh beschriebenen Massakern erschüttert, von denen das Buch lebt und durch die es seinen Schrecken gewinnt: die "Dabei-Perspektive".

Als ich das erkannte, erinnerte ich mich an zwei Leseerlebnisse der Vergangenheit: Zum einen den Roman American Psycho von Brett Easton Ellis und zum anderen das Sachbuch Täter von Harald Welzer - zwei Bücher die ich NICHT zu Ende lesen konnte, weil mir schlecht wurde, nicht im übertragenen Sinn! Die Bilder dort, die Beschreibungen der Gewalt in diesen beiden Büchern drangen bis in meine Träume. Ich bin nicht zartbesaitet, hab früher gern Horrorfilme gesehen, war großer King Fan, ich ertrage sogar die alltägliche Bildgewalt in den Nachrichten ganz gut. Aber diese beiden Bücher waren zuviel. In beiden findet man weniger literarisierte Gewalt, sondern kalt, nackt, direkt beschriebene Exzesse des menschlichen Geistes, der Dinge entsinnt, was man mit anderen Menschen, ihren Körpern und Seelen tun kann. Dinge, die mir den Schlaf rauben. Bei American Psycho unterfüttert mit viel krankem Sex und Gefühllosigkeit, bei dem Sachbuch von Welzer unterfüttert mit beängstigend gelassener Reflexion der Täter über ihre unfassbaren Taten. Also zusammen genau die zwei Elemente, die den Kern von Littells Buch ausmachen sollen
Das kann ich nicht lesen, wurde mir klar. Und weil ich mal selbstbewusst behaupte, dass mein Bildungsbedarf in Fragen Holocaust gut gedeckt ist und weil ich Literatur zwar nicht als bloße Unterhaltung, aber eben auch nicht als psychologische Konfrontationsstrategie begreife, hab ich das Buch gestern in die Buchhandlung zurückgebracht.
I prefer not to...


 
 

Laaaaaaang lang ist's her seit dem letzten Eintrag. Lebt ein Blog, wenn er nicht mehr bearbeitet wird? Die Japaner, von denen nach  den englischsprachingen Blogs weltweit die meisten betrieben werden, sie haben sogar einen Namen für einen zurückgelassenen Blog: ishikoro:  Kieselstein.
Dabei habe ich diverse Konzerte gesehen, sicher 30 Filme, auch zwei schöne Bücher gelesen, aber die Lust das hier zu verwursten war nicht da. Viel schlimmer: ich hab nicht mal dran gedacht.

Heute dann festgestellt, dass das hier ohnehin keinen Blog ist, wie er gedacht ist: Copy Paste von anderen Seiten und den eigenen Senf dazu, Dissing und schöne verbale Backpfeifen zu allen nur denkbaren Themen, Community Building mit links und Kommentraren, obsessive Detailsuche und links zu dem bearbeiteten Thema und vor allem: unter Pseudonym schreiben. (mehr dazu in diesem sehr interessanten Text aus der NY Review of Books.)

Nichts davon hier. Also ist das hier kein Blog und wird jetzt auch nicht mehr so heißen. Die Inhalte bleiben, wenn sie denn kommen :-)